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Unter Ballistik (zu griech. bállein "werfen, schleudern") verstehen wir die Lehre vom Schuss, i.e.S. die Lehre von der Bewegung der
Geschosse. Die Ballistik umfasst dabei alle Vorgänge, die beim Schuss ablaufen bzw. in Erscheinung treten. (Sie behandelt nicht die rein praktische Schießtechnik des Schützen).
Wir unterscheiden:
1. Innenballistik, 2. Mündungsballistik, 3. Außenballistik und 4. Zielballistik. 1 und 2 werden gelegentlich zusammengefasst
 Frage: Was versteht man unter Innenballistik?
Antwort: Unter Innenballistik (innere Ballistik) versteht man die Vorgänge im Lauf der
Schusswaffe vom Beginn der Zündung bzw. der Auslösung der Treibladung bis zum Austritt der Geschosse aus der Laufmündung
 Frage: Was versteht man unter Mündungsballistik?
Antwort: Unter Mündungsballistik versteht man die Vorgänge und Erscheinungen beim Austritt
der Geschosse aus der Laufmündung.
 Frage: Was versteht man unter Außenballistik?
Antwort: Unter Außenballistik versteht man die Vorgänge während des Geschossfluges von der Laufmündung bis zum Ziel, insbesondere die Einwirkung von Schwerkraft und Luftwider-
stand auf die Flugbahn der Geschosse.
 Frage: Was versteht man unter Zielballistik?
Antwort: Unter Zielballistik (Endballistik) versteht man die Vorgänge beim Auftreffen des Geschosses bzw. der Geschosse auf das Ziel und beim Durchlaufen des Zielkörpers.

1. Zur Innenbalfistik
Die Innenballistik umfasst den Zeitraum vom Aufschlag des Schlagbolzens auf den Zündsatz, der das Treibladungspulver in Brand setzt, bis zum Austritt der Geschosse aus dem Lauf, die
sog. Schussentwicklungsdauer oder -zeit: Bei offensivem Pulver etwa 0,002 s = 2 ms, bei progressivem Pulver ca. 0,003 s = 3 ms in Langwaffen.
Nach der Zündung verbrennt das Nitrocellulosepulver (NC-Pulver) und erzeugt im Lauf der Schusswaffe Temperaturen bis 3000oC und einen hohen Druck ( lg NC-Pulver liefert 1 Liter
Gas!). Durch den allseitig wirkenden Druck der Verbrennungsgase ( in Büchsen bis 4700 bar, in Flinten bis 1050 bar ansteigend) werden die Geschosse aus dem Hülsenmund der Patrone
getrieben und durcheilen den Übergangskonus zwischen dem Ende des Patronenlagers und dem Beginn des (in gezogenen Läufen) gezogenen Laufteils in rotationslosem Flug.
Da jedes Geschoss jedoch mehrere Millimeter tief mit seinem Führungsteil in den Hülsenmund der Patrone eingesetzt ist, ergibt sich nur dann echter Freiflug des Geschosses, wenn der
rotationslose Geschossweg größer ist als die Einsatztiefe des Geschosses.
Es gilt: rotationsloser Geschossweg minus Einsatztiefe
Daraus folgt: Für ein kurzes Geschoss mit geringer Einsatztiefe: ggf. Freiflug. Für ein langes Geschoss mit großer Einsatztiefe: ggf. "negativer” Freiflug, d.h. das Geschoss
bohrt sich in Züge und Felder, bevor der Geschossboden den Hülsenmund verlassen hat.

2. Zur Mündungsballistik
Wenn die Geschosse den Lauf verlassen, beträgt der Gasdruck immer noch etwa 500 bar beim Büchsenschuss und etwa 50 bar beim Schrotschuss. Diese hohe
Verdichtung hinter den Geschossen bewirkt die Entstehung von Druckwellen, die als Mündungsknall wahrgenommen werden. Die explosionsartige Verbindung noch nicht vollständig verbrannter Pulvergase, vor allem
Kohlenoxid und Wasserstoff, mit dem Sauerstoff der Luft führt - zumal bei kurzen Läufen - zu Mündungsfeuer und verstärkt den Mündungsknall.
Liegt die Geschwindigkeit der Geschosse über der Schallgeschwindigkeit (340 m/s bei 15 'C), so tritt zusätzlich auch noch der Geschossknall auf, ein Überschallknall wie bei Überschallflug-
zeugen. Der Schütze selbst kann Mündungsknall und Geschossknall nicht voneinander unterschei- den. Ein Beobachter in einiger Entfernung vom Schützen und seitlich der Geschossflugbahn
jedoch vernimmt zunächst den Geschossknall und danach den Mündungsknall. Eine weitere Erscheinung, deren Höhepunkt erreicht ist, wenn die Geschosse den Lauf verlas-
sen, ist die Rückwärtsbewegung der Waffe beim Schuss, der sog. Rückstoß. Der Rückstoß wird umso stärker empfunden, je schwerer das Geschoss (die Geschosse) und je
größer seine (ihre) Geschwindigkeit ist und je leichter die Schusswaffe ist. Schließlich erteilen die nach vorn mit hoher Geschwindigkeit ausströmenden Verbrennungs-
gase der Schusswaffe einen zusätzlichen Impuls nach hinten - sog. Raketeneffekt - und verstärken damit den Rückstoß. Sog. Mündungsbremsen ("Kompensatoren") an der
Laufmündung lenken Teile der ausströmenden Gase um und vermindern den Rückstoß. Durch den Druck der hochgespannten Treibladungsgase erhalten die Geschosse im
Lauf der Schusswaffe ständig zunehmende Geschwindigkeit-, sie erreicht ihren Höchstwert an der Laufmündung (Mündungsgeschwindigkeit) und nimmt nach Verlassen des Laufes aufgrund des Luftwiderstandes wieder ab.

3. Zur Außenballistik
Ohne äußere Einflüsse, z.B. im schwerelosen, luftleeren Raum, würden Geschosse nach dem Austritt aus der Laufmündung geradlinig und mit unverminderter Geschwindigkeit weiterfliegen.
Erdanziehungskraft und Luftwiderstand(skraft) sind auf der Erde aber nicht auszuschalten.
Frage: Welche Kräfte wirken auf der Erde auf Geschosse während ihres Fluges?
Antwort: Während des Fluges wirken auf ein Geschoss insbesondere 1. die Erdanziehungskraft und
2. der Luftwiderstand, ggf. starker Regen, Seitenwind, Hindernisse.

Frage: Was bewirkt die Erdanziehungskraft?
Antwort: Die Erdanziehungskraft bewirkt eine Krümmung der Flugbahn des Geschosses. So wird die Flugbahn ein exakter Parabelbogen, wenn man eine ebene
Erdoberfläche annimmt, bzw. ein Teil einer Ellipse, wenn man die Krümmung der Erdoberfläche berücksichtigen will.
 Frage: Was bewirkt der Luftwiderstand?
Antwort: Der Luftwiderstand bewirkt eine Verminderung der Geschwindigkeit und damit eine
Verminderung der Reichweite des Geschosses .

Frage: Was versteht man unter der Reichweite eines Geschosses?
Antwort: Unter der Reichweite versteht man die Entfernung zwischen der Laufmündung der
Waffe und dem Auftreffpunkt des Geschosses bei gegebenem Abgangswinkel. Meist versteht man unter der Reichweite die maximale Reichweite (Höchstschussweite
,Gesamtschussweite) eines Geschosses bei günstigstem Abgangswinkel.

Frage: Was versteht man unter der Steighöhe eines Geschosses?
Antwort: Unter der Steighöhe versteht man die Entfernung zwischen der Laufmündung und dem
Scheitelpunkt der Geschossflugbahn bei senkrecht nach oben abgegebenem Schuss.

Frage: Was versteht man unter Streuung der Geschosse?
Antwort: Unter der Streuung von Büchsen- und Kurzwaffengeschossen versteht man deren Ab- weichung von der gewünschten Flugbahn.
Die Streuung hat ihre Ursache 1. in der Waffe selbst, 2. in der verwendeten Patrone, 3. beim Schützen und 4. im weiteren Sinne in der Ablenkung des Geschosses durch Hindernisse in der
Flugbahn (''Abpraller")

4. Zur Zielballistik Für die Zielballistik (Endballistik) sind insbesondere Art, Aufbau, Form und Energie
des Geschosses (der Geschosse) von Bedeutung.
Frage: Woraus besteht ein Geschoss?
Antwort: Günstigstes Geschossmaterial ist aufgrund seiner Schwere, seiner Verformbarkeit
und seines Preises das Blei. Geschosse mit relativ geringer Mündungsgeschwindigkeit bestehen deshalb nur aus Blei, z.B. Schrote und KK-Geschosse, aber auch manche Pistolen- und Revolvergeschosse.
Mit zunehmender Geschossgeschwindigkeit ist das Blei nicht mehr geeignet, in gezogenen Läufen eine verlässliche Führung zu gewährleisten: Die Geschosse würden die Felder des
gezogenen Laufs einfach "überspringen". Man umgibt das Blei daher mit einem "Mantel" aus einem härteren Material, z.B. aus - Kupfer, - Tombak (eine Kupferlegierung härter als K.),
- "Stahl", eigentlich Flusseisen. Man unterscheidet also grundsätzlich - Reinbleigeschosse, - Teilmantelgeschosse (wenn der Bleikern noch sichtbar ist) und - Voilmantelgeschosse.
Durch den härteren Mantel erhält man natürlich auch eine Steigerung der Durchschlagskraft. Ähnlich wirken Vollgeschosse, z.B. aus Tombak.
 Für ein und dieselbe Schusswaffe, d.h. in demselben Kaliber, gibt es oft eine ganze
Reihe von verschiedenartigen Geschossen bei teilweise unterschiedlichen Pulverladungen, die man als "Laborierungen" bezeichnet.
Frage: Was versteht man unter Laborierungen?
Antwort:
Unter Laborierungen versteht man verschiedene Geschossarten und ggf. Pulverla- dungen für ein und dasselbe Kaliber. Durch Art und Form des Geschosses und die Pulver-
ladung lassen sich Verformbarkeit und Durchschlagskraft des Geschosses im Ziel steuern.
Frage: Wovon hängt die Wirkung des Geschosses im Ziel ab?
Antwort: Die Wirkung des Geschosses beruht auf der Abgabe seiner Auftreffenergie im Ziel.
In der Auftreffenergie sind Masse und Auftreffgeschwindigkeit des Geschosses enthalten.
Man unterscheidet - mechanische Wirkungen, - biologische Wirkungen,
Das Durchschlagsvermögen (Durchschlagskraft, Eindringtiefe) eines Geschosses ist umso größer, je größer seine Bewegungsenergie ist, je kleiner der Geschossquerschnitt ist und
je aerodynamisch günstiger die Geschossform ist. Dazu gehört auch, dass sich das Geschoss im Ziel möglichst wenig aufstaucht, was bei Vollmantelgeschossen zu erwarten ist.
Umgekehrt wird das Aufhaltevermögen (Aufhaltekraft, engl. stopping power) eines Geschos- ses umso größer, je schneller und je größer die Energieabgabe ist, d.h. je größer die
Bewegungsenergie ist, je größer der Geschossquerschnitt ist und je aerodynamisch schlechter die Geschossform ist. Dazu gehört auch, dass sich das Geschoss im Ziel
aufpilzt und u.U. sogar zerlegt, wie Spezialgeschosse hoher Auftreffgeschwindigkeit.
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